FIFA verbietet Public Viewing am Bundespressestrand
Wer Public Viewing zur Fußball-WM veranstalten möchte, braucht die Genehmigung der FIFA. Nun könnte es zu einem Präzedenzfall kommen, denn die Berlinerin Johanna Ismayr will am Bundespressestrand die Spiele auch ohne FIFA Lizenz öffentlich übertragen.
Die Regeln der FIFA zu Public Viewing sind kompliziert und ziemlich monopolistisch geprägt. Um Public Viewing handelt es sich dann, wenn Fußballspiele nicht im eigenen Wohnzimmer, sondern öffentlich in „Kinos, Bars, Büros, auf Baustellen, auf Bohrinseln, Bussen, Krankenhäusern und Militäreinrichtungen“ ausgestrahlt werden. Ist dies der Fall, so muss im Vorhinein eine Lizenz bei der FIFA beantragt werden.
FIFA sagt „nein“ zum Bundespressestrand
Die FIFA unterscheidet beim Public Viewing zwischen gewerblicher und nicht-gewerblicher Nutzung. Johanna Ismayr hat für die WM-Übertragung am Bundespressestrand in Berlin zunächst die Lizenz für eine gewerbliche Nutzung beantragt. Mit dem Verweis auf ein bereits genehmigtes FIFA-Fan-Fest in Berlin wurde ihr Antrag abgelehnt, es könne keine weitere Lizenz für Berlin ausgestellt werden, hieß es zur Begründung.
Nachdem sie daraufhin die Lizenz für ein nicht-gewerbliches Public Viewing beantragt hatte, aber seit Wochen auf Antwort warten muss, erwägt sie, gegen die FIFA zu klagen. „Es kann doch nicht sein, dass ein Fußballverband sagt: Du darfst den Fernseher in der Öffentlichkeit anschalten und du nicht“, empört sich Ismayr gegenüber der Zeitung „Die Zeit“.
Public Viewing Klage wäre Präzedenzfall
„Das Recht, jemandem das eintrittfreie öffentliche Fußballgucken zu verbieten, hat niemand in Deutschland“, sagt Ismayrs Anwalt Fabian Reinholz und bezieht sich dabei auf das deutsche Urhebergesetz. Danach brauche, wer in Deutschland ein Public Viewing veranstaltet und dabei kein Eintrittsgeld kassiert, auch nichts bei der FIFA anmelden, egal, was deren eigene Regeln aussagen, sagt er.
Die FIFA sieht sich allerdings ebenfalls im Recht und im Einklang mit dem deutschen Gesetz. Notfalls behält man sich das Recht vor, gegen Zuwiderhandlungen mit rechtlichen Schritten vorzugehen.
Nach eigenen Angaben liegen der FIFA momentan allein für kommerzielle Public Viewings weltweit mehr als 1.000 Anträge vor. Je nach Größe der Veranstaltung verlangt der Weltfußballverband dafür zwischen 1.000 und 14.000 Dollar. Johanna Ismayr will auch ohne offizielle Genehmigung der FIFA die Fußballspiele der WM übertragen. Ihre Veranstaltung bewirbt sie unter den Namen „Private Viewing zur Fußball-WM 2010“.